Mittwoch, 28. Februar 1996

Aus dem ersten Gartenalbum ...



Diese spontane Zeichnung hatte Herr Hein im August 1995 
von Haus & Garten angefertigt. Nachdem er das Grundstück 
zum ersten Mal betreten hatte, ergab es sich wenig später 
bei einem Gespräch mit Freunden, dass wir von dem extrem 
verwinkelten Haus auf 4 Etagen und mit 11 Anbauten sowie 
dem hinter dem Wald versteckten großen Garten mit dem 
selbstgebauten Gewächshaus meines Onkels erzählten. 
Und da man unseren Beschreibungen kaum folgen konnte, 
versuchte Wolfgang aus dem Gedächtnis die Räumlichkeiten 
im Haus und die markanten Punkte im Garten zu skizzieren. 
Zwar fehlt die Sauerkirsche hinter der linken Garage. Und 
hinter dem Wald auf der linken Seite fehlt der inzwischen 
abgestorbene Apfelbaum an der Nordseite sowie hinter dem 
Efeu-Apfelbaum die Mirabelle & Zwetschge im Osten. Und 
dafür befinden sich die beiden kleineren Apfelbäume an der 
Ostgrenze noch etwas weiter entfernt vom alten Gewächs-
haus. Doch nach der Erstbegehung hatte er schon sehr viel 
von diesem ungewöhnlichen Grundstück mit altem Baum-
bestand und großem Nutzgarten erfasst …


Da ich lange überlegen musste, ob ich das Erbe - einen Gaul 
mit sehr sehr schlechten Zähnen, überhaupt annehmen sollte, 
haben wir uns Ende 1995 zunächst nicht um Haus & Garten 
gekümmert und lange abgewogen ob es das Abenteuer wert ist: 
Denn das Haus wurde zwar in den 70ern von meiner Patentante 
und ihrem Mann mit viel Eigenleistung saniert, aber zu dem 
Zeitpunkt der Erbschaft wurden wir auch extrem mit den Tücken 
des Heimwerkens konfrontiert. Schließlich wurde der erste Teil 
des Hauses in den 30ern erbaut und dann munter ja nach Bedarf 
und Geldbeutel erweitert. Das merkte man nicht nur der Elektro-
anlage aus 7 Jahrzehnten an. Auch viele Dachanschlüsse und 
die mangelhafte Regenwasserableitung zeigten Feuchtigkeits- 
und auch nicht unerhebliche Schimmelschäden. Und als Vorerbin 
gibt es leider nur ein Nutzungsrecht sowie die Erhaltungspflicht. 
Das in das Haus- & Grundstück investierte Kapital verfällt somit 
mit meinem Ableben, und geht dann sofort in den Besitz der 
Deutschen Krebshilfe über. Und Herr Hein wird wohnungslos.

Allerdings lockte der Garten so sehr, dass unser Kompromiss 
im Frühjahr 1996 folgendermaßen aussah: Ein Ferienhaus 
mit U-Bahnanschluss! 

Also begannen wir zunächst bei frostigem Wetter das Haus zu 
entrümpeln und widmeten uns ab Februar 1996 dem Garten. 
Denn dort wollten wir im Juni unsere Hochzeit im feiern. 
Das Haus spielte dabei eine untergeordnete Rolle und sollte 
nur für schlechtes Wetter leer und sauber sein …


Und das sind die ersten Bilder der Garten-
Bestandsaufnahme aus dem Februar 1996:

Links der Wintergarten aus verzogenen Kunststoff-Profilen, 
dahinter der kleine gemauerte 2qm Teich mit Weg, dann etwas 
Rasen mit integiertem Rosenbeet und die grüne Waldwand. 
Rechts vom Weg die Rasenfläche mit Kamin und dem ebenso
dichten dunklen und ca. 12m hohem Waldstück. Hier sind auch 
der Säulentaxus und der in der Mitte des 'Beetes' am Boden 
liegende rote Rhododendron ganz gut zu erahnen. Und mittig 
der gegossene Betonplattenweg, der als schmaler Pfad in den 
eigentlichen Garten führte 

Links befinden sich die 2 inzwischen abgestorbenen Apfelbäume
 und der Efeu-Apfelbaum. Ganz hinten links ist die Mirabelle zu 
erkennen und die große Blautanne steht bereits auf dem Nachbar-
grundstück. Der Metallteich hat im Zuge unserer Umgestaltung 
die Gartenseite gewechselt. Er befindet sich nun auf der Fläche 
des ehemaligen Gewächshauses. 

Der Komposthaufen am Ende des Weges signalisiert die Ostgrenze 
Seine geschichtete Holzumrandung wurde später im hinteren Teil 
des Hochbeetes am Ende der Betonfläche verbaut. Und das wohl
extrem imprägnierte Holz der Umrandung hält dort noch immer.

Der Holzzaun auf der Südseite entstand wohl Ende der 80er oder 
Anfang der 90er wegen die Nachbarskinder. Denn ab und an flog 
mal ein Ball beim Spielen in die Blumen- oder Gemüsebeete. 
Aber abgesehen davon, dass so ein Zaun etwas Schatten auf unser 
Grundstück wirft, bildet er zumindest einen ruhigen geschlossenen 
Hintergrund. Und idealerweise kann man uns heutzutage nicht 
anlasten, dass sich etwas aus unserem wesentlich wilderen Garten 
in die Beete unserer Nachbarn herübersamt.

Hätte das von meinem Onkel selbstgebaute Gewächshaus 
weiter hinten im Garten gestanden, so hätten wir es eventuell 
sogar behalten. Aber da wir neben einem extrem vollgestellten 
Haus auch noch das Problem hatten den Inhalt von 2 Gefrier-
schränken und diverse Regalbretter voller Säfte, eingeweckter 
Früchte, Gurken und Konfitüren teilweise sogar anno 1978 
zu entsorgen, wollten wir in unserem Garten dann lieber 
nur von der Hand in den Mund leben!

Und das hier war 'unsere' erste Aktion im Garten ...

Denn unsere Nachbarn hatten meine Tante und ihren Mann 
wahrscheinlich bereits 1994 verklagt, als die beiden wohl 
um 1968 gepflanzten Grenzfichten auf der Südseite sowie 
die wahrscheinlich Mitte der 70er hinzugekommene Korken-
zieherweide an der südlichen Garage zu sehr über das eigene 
Grundstück hinausragten. Die 3 Bäume sollten idealerweise 
entfernt oder zumindest beschnitten werden. Wahrscheinlich 
kamen sie Aufgrund vorhergegangener Streitigkeiten dem 
jedoch nicht nach. Und ich erbte nicht nur ein marodes Haus 
mit großem Garten sondern auch noch einen Rechtsstreit. 
Erschwerend kam noch hinzu, dass es in Hannover schon 
damals die Baumschutzsatzung gab. Aber Ende Januar 1996 
lag zum Glück eine Genehmigung vor, so dass die 3 Bäume 
über das übliche Maß hinausgehend endlich beschnitten 
werden konnten.

Soweit ich mich erinnere waren das dann ist ersten 2.600,- DM, 
die wir in den Garten investieren mussten, um die Bäume so 
von einem Gärtner schneiden zu lassen. Denn die Zeit drängte: 
Am 1. März 1996 wäre die Genehmigung bereits wieder wegen
des gesetzlichen Vogelschutzes verfallen. Am Schnitt der beiden 
Fichten war nichts auszusetzen. Die Äste wurden ca. bis zu 
einer Höhe von 5m am Stamm entfernt. Und das Astmaterial 
blieb einerseits aus Kostengründen und andererseits als Grund-
stock zum Mulchen der Flächen auf dem Grundstück liegen. 
Und dann musste der neu angeschaffte Leisehächsler Bosch AXT
gleich zeigen, ob er unserem Garten gewachsen war!

Bei der Korkenzieherweide war ich mehr als geschockt, als 
die Gärtner meinten, dass sie mit ihrer Arbeit fertig wären. 
Leider haben wir davon kein Foto. Jedenfalls hatten sie 
munter reichlich Äste gekappt, so dass wir dann schon bald 
in 6 oder 8m Höhe diverse 'Besen' mit 6 und mehr gedrehten 
Weidenruten gehabt hätten. Mir kam das damals wie eine 
selbstgemachte ABM vor. Denn in der Höhe hätten wir den 
Baum auch zukünftig nicht selbst nachschneiden können. 
Zum Glück wurde dann nochmals nachgearbeitet. Zwar 
wurde dabei mehr als genehmigt entfernt, aber so blieb 
der Baum für uns zumindest handhabbar. Doch es dauerte 
noch etwa 3 bis 4 Jahre, bis der Baum endlich eine Form 
annahm, die besser zu dem eigentlich sehr ungünstigen 
Grenzstandort passte ...

Fotos: SchneiderHein


Kommentare:

Barbara hat gesagt…

Liebe Silke, wenn ich diese Bilder anschaue und dann deinen heutigen Garten vor meinem geistigen Auge sehe, dann muss ich schon sagen: ein ganz dickes Kompliment an euch! Ihr habt aus dem doch eher unspektakulären Grundstück ein wahrer Märchengarten gemacht. Und die Jahre haben natürlich das Ihrige dazu beigetragen. Ein interessanter Post hier und nun lese ich gleich weiter im aktuellen...
Liebe Grüsse, Barbara

SchneiderHein hat gesagt…

@ Barbara
Das Grundstück hatte aber trotz aller Februar-Tristesse schon damals sehr viel Potenzial, denn in der immergrünen Waldwand befanden sich schon einige interessante Gehölze. Und die 4 alten Buchsbäume sowie die verschiedenen Obstbäume waren auch nicht zu verachten.
Allerdings weiß ich nicht, wie der Garten sich entwickelt hätte, wenn Wolfgang nicht beim ersten Besuch gesagt hätte 'Ich glaub ich steh' vorm Wald!'. Die ganzen Stämme auf der rechten Seite unten herum freizuholzen und auf der linken Seite einen Weg zwischen den Bäumen durchzuführen brachte schon viel Waldflair. Aber die Wirkung wäre längst nicht so großzügig, wenn unsere nördlichen Nachbarn einen normalen Garten bevorzugen würden. Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn die Bepflanzung dort einfach so grenzübergreifend wachsen darf, und die Eichhörnchen auf diversen Ästen von einem in den anderen Garten toben ...

Sara Mary von Buelsdorf hat gesagt…

Das habe ich, glaube ich, doch schon mal gelesen/gesehen .... dachte nur, einen Kommentar dagelassen zu haben .... doch da habe ich mich wohl geirrt. ;-) 1996 ... DAS waren noch Zeiten, da waren wir noch in L.......
Unser damaliges Haus war auch so ein kurioses Teil. ;-) Doch zum Glück keine Feuchtigkeit oder Schimmel.
Na sowas .... da gibts doch bestimmt Mittel und Wege, daß Dein Mann da wohnen bleiben könnte, im Falle eines Falles ...

Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre Ihr in Eurem Garten mit Gewächshaus ... So ein Zaun ist schon viel Wert, den hätte ich mir hier bei uns auch gewünscht. Unserer ist zu niedrig und durchlässig ... Billigzaun halt.

Puhh, warum alte Leute manchmal so viele Vorräte anlegen??? War bei einer meiner Großmütter auch so ähnlich. ;-) Völlig irrational, sich diese viele Arbeit zu machen, wenn das Ganze doch nur gehortet und nicht aufgegessen wird.

Und Nachbarn, die gleich klagen, das sind ja auch nicht gerade angenehme Zeitgenossen.
Unsere Korkenzieherweide ist noch immer nicht beschnitten ... Nur untenherum habe ich ein paar trockene Zweige entfernt. ;-)

Liebe Grüße in die Anfangszeit
Sara

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Nee, ich habe eben mal nachgeschaut, bei Deinen 42 hier noch nicht veröffentlichten Posts seit 2012 haben ich keinen früheren Kommentar zu diesem Post gefunden. Wahrscheinlich hast Du zu dem Thema unter einem anderen Post mal etwas geschrieben. Das kann ich aber nicht herausfinden ;-)

Nein, dann müsste er der Krebshilfe Haus & Grund abkaufen. Und die Grundstückspreise kenne ich zwar nicht genau, aber da kommt hier bei 1.000qm ganz schön was zusammen. Und er wäre allein mit Haus & Garten sicherlich dann total überfordert. Nur das blöde ist halt, dass unser hier investiertes Kapital dann futsch ist …

Das Gewächshaus hätte ich ohnehin dann auch alleine bewirtschaften müssen. Wolfgang hätte da kaum aufrecht drin stehen können. Das war eben genauso für kleine Leute gebaut wie die Zimmer und Türstürze in den oberen Etagen des Hauses.
Als Kind fand ich das Gewächshaus bei meinem Onkel faszinierend. Da stand es aber auch noch auf dem Gutshof bei Hildesheim und war größer. Außerdem war da auch noch der 2qm Metallteich mit fischen darin aufgestellt. Das war ein ganz anderes Klima als in dem schimmlig-feuchten Teil, was wir hier an der sonnigsten Stelle des Gartens vorfanden.

Das mit den Vorräten gehörte halt dazu. Der Garten gab es her, und es durfte nicht verkommen. Schade war nur, dass meine Mutter und ich beim Besuch nicht an der Brombeerhecke naschen durften. Die mussten alle verarbeitet werden = wurden später dann leider im Garten in dem ehemaligen Loch vom Metallteich von den Einweckgläsern getrennt und vergraben.
Aber als mein Großvater 1980 starb, dauerte es auch einige Jahre, bis das eingekochte Obst abverbraucht war. Wenn sich die Lebensumstände ändern, wird dann halt plötzlich weniger verbraucht und die Vorräte bleiben länger stehen.
Aber wahrscheinlich hat meine Patentante auch irgendwann den Überblick verloren …

Na ja, 'gleich klagen' war in dem Fall wohl untertrieben. Es gab wohl mehrere Gespräche, dass die bäume an der Grenze beschnitten werden sollten. Aber soweit ich weiß, haben die beiden damals einfach auf stur geschaltet. Oder waren zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage das selbst zu regeln. Ich kann mich jedenfalls daran erinnern, dass es schon länger deswegen Nachbarschaftsstreitigkeiten gab. Da wäre es wirklich besser gewesen bei Zeiten zu handeln. Das wäre den Bäumen auch besser bekommen und auch kostengünstiger gewesen ;-)

Sara Mary © Mein Waldgarten (© Herz und Leben) hat gesagt…

Ja, das weiß ich jetzt auch nicht mehr so genau.
Wenn Deine Tante (von der Du das Haus geerbt hast - so habe ich es jedenfalls in Erinnerung) alles der Krebshilfe vermacht hat, ist es wohl unumkehrbar. Ansonsten kann man ja Testamente zu Lebzeiten sicherlich ändern. Man will doch seinen Lebenspartner abgesichert wissen.
Das mit dem Verarbeiten von Früchten kenne ich auch noch. Ich esse sie auch lieber roh.
Ich glaube, so lange mag man von den Vorräten auch nicht zehren, was es das Ewiggleiche ist. Aber in Notzeiten war das was anderes. Heute gibt's ja fast alles frisch zu kaufen oder eingefroren ...

Was für Erinnerungen ...

Liebe Grüße
Sara

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Tja, leider wollte meine Tante das Erbe eben möglichst lange erhalten und hat mit ihrer Verfügung eigentlich genau das Gegenteil erreicht. Denn aus diesem Grund überlegen wir uns fast jedes Mal, ob wir den ein oder anderen Euro hier investieren wollen. Wenn wir vom Verkaufserlös des Hauses notfalls profitieren würden, wäre das etwas anderes.

Tja, die Kriegsgeneration. Ich gebe zu, dass ich vor dem Erbe auch noch eine andere Vorratshaltung mit Konserven & Co im Keller hatte. Aber seitdem hat sich das bei uns extrem geändert. Nach diesem Wochenende sind Kühlschrank, Vorratsschrank und Keller fast leer. Und den Gefrierschrank nutzt nur noch unsere Haus-Mitbewohnerin. ich glaube, wir hätten jetzt im Notfall noch nicht einmal mehr Lebensmittel & Getränke für 1 Woche. Unsere Katzen hätten dagegen zur Zeit wohl noch Futter für 3 Wochen …

Der Garten bietet jetzt ja eh' nur noch etwas für 'von der Hand in den Mund'. Früher ist Wolfgang dann noch manchmal mit einem Schälchen zum Beerenernten in den Garten gegangen. aber inzwischen sind die Tiere ohnehin schneller ;-) Und alles, was wir gerne an frischem Gemüse im Garten ernten würden, das hätten die Schnecken ohnehin schon vor uns vollgeschleimt und abgefressen.

Sara Mary © Mein Waldgarten (© Herz und Leben) hat gesagt…

Das kenne ich auch - mit der Kriegsgeneration, da wird so manches gehortet. Wir haben uns das gar nicht erst angewöhnt. Essens-Vorräte hatten wir nie großartig, da wir auch kaum was aus Verpackungen essen. Und wenn zu viel im Haus ist, MUSS es schließlich irgendwann und meist vom Besitzer selbst verzehrt werden. Das wollte ich mir nicht antun. Wir haben natürlich unsere Küchenschränke bestückt, Gläser mit dem, was man da so hat, wie Reis, Linsen, Haferflocken, Hirse, Bulgur ... aber im Kühlschrank ist auch nicht mehr viel drin. Seit ich auch weitgehend auf Milchprodukte verzichte. Am liebsten wär's mir ohne all diese Geräte ;-) Einen Gefrierschrank besaßen wir nie. Nur das Gefrierteil des Kühlschrankes. Glaubte immer keiner, da wir 5 Personen waren ... mit Besuchern noch dazu ....
Eine Handvoll Beeren kommt bei uns auch noch zusammen, mehr würde ich nicht bearbeiten können. Die Tiere holen sich hier zwar nicht so viel, aber man muß sich eben viel um Gemüse und Obst kümmern, das kann ich nicht.
Liebe Grüße, gute Nacht!
Sara