Samstag, 9. November 2013

der alte schiefe Apfelbaum



Im Sommer sieht mein Mut zum Totholz sicherlich 
gerade in diesem Bereich - hinter dem sonnigen Rosenbeet
für viele merkwürdig aus. Aber ich mochte seit der ersten 
Begegnung die windschiefe Form dieses alten Apfelbaumes. 

Vielleicht liegt es auch daran, dass es im braunschweiger 
Garten einen schiefen Apfelbaum in der Mitte der Rasenfläche 
gibt, der ähnlich knorrig ist, und bei dem noch zu Lebzeiten 
meiner Großeltern vermutet wurde, dass er bald umkippt 
bzw. eingeht - oder beides.

Mein Lieblings-Apfelbaum im Wildwuchsgarten hat es leider 
nicht geschafft. Vielleicht bedrängte ihn der Hochwald zu sehr
oder die umliegenden Bäume entzogen in trockenen Sommern 
das nötige Wasser. Oder er war halt wirklich einfach alt. Denn 
sein Absterben zog sich über mehrere Jahre hin. Einige der 
toten Äste durften trotzdem am Baum bleiben. Zum Beispiel 
wegen der mit dem Garten geerbten rosa Rose, die plötzlich 
Klettertendenzen entwickelte. Aber auch gründliches wässern 
im Sommer mit dem Schlauch verzögerte wohl nur seinen 
allmählichen Sterbeprozzess ...

Eigentlich wollte ich dann eine Kletterrose oder eine wuchs-
freudige Strauchrose im Geäst ranken lassen und das Ganze 
vielleicht auch mit einer Clematis kombinieren. Natürlich würde 
so ein alter morscher Baum nicht ewig als Rankgerüst durchhalten 
können - und irgendwann unter der Last zusammenbrechen. Aber 
das wollte ich gern in Kauf nehmen. Schließlich befindet sich ein 
Garten immer im Wandel, wenn man nicht ein starres Konzept 
verfolgt und überwiegend der Natur ihren Lauf lässt.

Doch selbst im Frühsommer gefiel mir plötzlich die Transparenz 
hinter dem Hochwald, die durch den toten Baum entstand. Und es 
fasziniert mich immer wieder, wie Meisen & Co dort ganzjährig 
auf den Zweigen nach Insekten suchen ...

Foto: S.Schneider


Keine Kommentare: